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Entsteht eine neue Internet-Blase?

28-10-2014 0

In den letzten Monaten mehren sich die Stimmen, die vor einer neuen Internet-Blase warnen. Auslöser sind die Bewertungen einiger zum Teil namhafter Online-Unternehmen,

deren tatsächlicher Wert in keinem Verhältnis zu dieser steht. Beispiele dafür finden sich sowohl bei den großen Playern aus dem Sillicon Valley - insbesondere Twitter und Uber gelten als überbewertet - als auch hier in Deutschland, wo kürzlich erst die Börsengänge von Zalando und Rocket Internet enttäuschten. Aber sind solche Anzeichen als Vorboten einer neuen Internet-Blase zu sehen?

Zur Erinnerung ein kleiner Rückblick auf das Jahr 2000, als die erste Dotcom-Blase platzte: Start Ups schossen wie Pilze aus dem Boden, dachte man doch, dass man mit jeder online-fähigen Idee ein großes, profitables Geschäft machen könne. Die neuen Unternehmen waren so zahlreich, dass Arbeitskräfte rar wurden und sogar relativ unerfahrene Internet-Einsteiger gut bezahlte Jobs fanden, ganz zu schweigen von wirklich qualifizierten Mitarbeitern, wie gut ausgebildeten Programmierern oder Webdesignern, die mit immer fetteren Gehältern geködert wurden. Es enstand sowohl bei den 'Machern' der Internet-Seiten als auch bei Anlegern eine Euphorie und riesige Erwartungen in die zukünftige Gewinne dieser Start Ups. Denen stand jedoch real kaum ein materieller Unternehmenswert entgegen.

Aktien erreichten schwindelerregende Preise, auch weil Kleinanleger, die bisher nie an der Börse spekuliert hatten, plötzlich das große sichere Geld in Dotcom-Anteilen vermuteten. Als sich erste Anzeichen mehrten, dass die Firmen diese Erwartungen kurz- bis mittelfristig nicht würden erfüllen können und einige Bilanzen, auf denen die Bewertung dieser Unternehmen beruhte, schlicht aufgeblasen waren, stießen Börsenkenner ihre Aktienpakete in großem Stil ab. Kleinanleger folgten panikartig oder warteten auf eine Erholung der Kurse - vergeblich, denn die Verluste, die die börsennotierten Unternehmen erlitten, brachten viele von ihnen innerhalb kurzer Zeit zum Fall. In der Folge lag die gesamte Branche nahezu am Boden, es kam zu Massenentlassungen und das Vertrauen in das Internet als lohnenswerten Markt war zunächst zerstört.

Nun gab es damals Bedingungen, die heute, da das Internet und die ganze Branche erwachsener geworden sind, hoffentlich so nicht mehr bestehen. Allen voran war damals ein gewisses Maß an krimineller Energie bei einigen Start Ups zu beobachten, die damals erstellten Bilanzen wurden mit einem hohen Maß an Kreativität erstellt. Andererseits wurden Anfang des Jahrtausends nicht nur unerfahrene Spekulanten vom Internet-Hype angesteckt, auch die Medien trugen ihren Teil dazu bei, dass vage Ideen zu todsicheren Geschäftserfolgen hochgeschrieben wurden. Allen voran jedoch muss man wohl auch erfahrenen Börsianern eine Mitschuld am Entstehen der damaligen Blase geben, denn sie hätten besser wissen müssen, dass die massenhaft extrem hohe Bewertung vorwiegend geistigen Eigentums hoch riskant war.

Der Markt hat sich seither erstaunlich schnell wieder erholt. Es hat eine Bereinigung stattgefunden und insbesondere kleine Anleger sind gewarnt. Was jedoch geblieben ist, ist die Überbewertung vieler Internet-Unternehmen, die sich am Markt noch gar nicht wirklich behauptet haben und trotz Verlusten oder geringen Gewinnen mit Aktienkursen am Markt vertreten sind, die lediglich die Hoffnung in ihre Zukunft widerspiegeln. In den USA betrifft dies z.B. Firmen wie Uber, Twitter und Yelp. Firmen wie diese haben sogar US-Notenbank-Chefin Yellen dazu verleitet den Technologie-Bereich für überbewertet zu erklären und Investoren an diesem Markt für ihre überzogene Risikobereitschaft zu rügen. Eine solche branchenbezogene Aussage hat es bisher noch nie von einem Notenbankchef gegeben und darf wohl durchaus als Warnung verstanden werden.

In Deutschalnd werfen die kürzlichen Börsengänge von Zalando und Rocket Internet entsprechende Fragen auf. Rocket Internet z.B. beteiligt sich an Start Ups, die auch mit firmeneigener Infrastruktur und Logistik unterstützt werden. Neben wenigen in Deutschland bekannten Firmen - darunter z.B. Zalando und eDarling - beteiligt sich Rocket Internet weltweit an Unternehmen, die meist Geschäftsmodelle kopieren, die in den USA bereits erfolgreich sind. Geplant ist, diese Start Ups später abzustoßen und so die Beteiligungen in satte Gewinne umzuwandeln. Vieles, was sich im Portfolio von Rocket Internet befindet, ist jedoch derzeit alles andere als gewinnbringend und ob sich nach der Investitionsphase der Erfolg dann letztlich einstellt, ist schlicht Spekulation. Daher haben viele Börsenspezialisten auch den hohen Ausgabepreis von 42,50 € kritisiert, der in keinem Verhältnis zum wahren Wert des Unternehmens steht. So kam es auch gleich nach Börsenstart zu einem Kurseinbruch. Die Samwer-Brüder, die hinter Rocket Internet stecken, zeigen sich davon jedoch relativ unbeeindruckt und sehen ihre Firma als Langzeitinvest an, das sich erst mit den Jahren entwickeln wird. Ob dem so sein wird, ist allerdings fraglich.

Auf der anderen Seite gibt es sie natürlich, die Erfolgsgeschichten von Technologie-Konzernen an der Börse. Wohl dem, der Aktien von Google, Apple oder dem jüngst debütierenden Alibaba hält. Doch sogar Branchenriesen wie Facebook bringen ihre Investoren zum Schwitzen und treiben das Unternehmen auf einen manchmal aberwitzigen Expansionskurs, bei dem die Übernahme eines kleinen Dienstes wie WhatsApp die Ausgabe von 19 Milliarden zu rechtfertigen scheint - ein Dienst, der für sich beansprucht ohne Werbeeinblendung und somit einer der wichtigsten Monetarisierungsquellen auszukommen!

Aktienberater legen ihren Kunden mitunter sogar nahe auf Kursverluste von Internet-Aktien zu setzen. Sogenannte Knock-Out-Zertifikate, die sich nicht als Langzeit-Instrumente sehen, können vor allem dann gewinnbringend sein, wenn man den Markt sehr aufmerksam verfolgt und die Zeichen zu deuten weiß, wann der richtige Punkt zum Aussteigen gekommen ist.

Soviel ist klar: Eine Investition in Internet-Aktien ist weit riskanter als Investitionen in Branchen, die materielle Werte schaffen. Ein US-Börsianer hat die Internet-Szene mit Restaurants verglichen: Viele verschwinden schnell wieder, und auch gut gehende Restaurants verschwinden in der Bedeutungslosigkeit, wenn ein neues in Mode kommt. Ob man also zu denen gehören möchte, die darauf wetten, dass das Szenelokal um die Ecke auch in zehn Jahren noch eine Goldgrube sein wird, sollte sich jeder gut überlegen. Wer also nicht gerade Spielgeld zuhause rumliegen hat oder nach einer sicheren Anlage für sein Alter sucht, sollte vielleicht die Finger von Technologie-Werten lassen. Ob der Internetbereich deshalb kurz vor dem Platzen der nächsten Blase steht, die das Potential hat die ganze Branche in Gefahr zu bringen, steht deshalb allerdings noch nicht fest.

Bildquelle: © klublu - Fotolia.com

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